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Tempietto Longobardo

Von der Piazza del Duomo führt ein kurzer Spaziergang durch den beeindruckendsten Teil von Cividale zum Tempietto Longobardo. Die herausragenden Kunstwerke im Innern machen ihn zu einem Monument, das höchstes Ansehen genießt – für viele ist der Name der Stadt denn auch schon in Gedanken gleichbedeutend mit dem Tempietto Longobardo.

Das kleine Gebäude ist bis heute von einem undurchdringlichen Geheimnis umgeben.Man weiß weder, wozu der Tempel ursprünglich diente, noch wie die ursprüngliche Struktur war und wer konkret daran gebaut hat.Schon der Name selbst, Tempietto Longobardo, ist irreführend, denn erstens handelt es sich nicht um einen “Tempel” und zweitens ist der Zusatz “langobardischer” nur auf die Zeit seiner Errichtung zu beziehen und nicht auf die Zugehörigkeit seiner Erbauer zu diesem künstlerischen Kulturkreis. Ebenso irreführend ist die Bezeichnung als «oratorio di Santa Maria in Valle» - diesen Namen erhielt der Bau, weil er als Mittelpunkt des Benediktiner-Konvents Santa Maria in Valle angesehen werden muss.Sicher ist hingegen, dass der Bau selbst und auch die Stuckdekorationen und die Freskenmalereien Anfang der zweiten Hälfte des VIII. Jahrhunderts (etwa um das Jahr 760) ausgeführt wurden. In den ersten Jahren des XVIII. Jahrhunderts diente der Tempietto nicht mehr als aktive Kapelle des Klosters, sondern wurde zum Kapitelsaal des Konvents umfunktioniert.

Ende des XIX. Jahrhunderts überließen die Nonnen den Tempietto der Gemeinde Cividale (1893), und bei dieser Gelegenheit ließen sie auch die Passage über dem Bett des Natisone errichten, die bis heute von der Piazzetta S. Biagio zum Eingang des Gebäudes führt. So brauchten die Besucher nicht die Klausur zu durchqueren.Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Tempietto einige Male “restauriert”:davon zeugen vor allem die Freskenmalereien, die die Wände schmücken (oder schmückten, denn eine Großzahl von ihnen wurde in der jüngeren Vergangenheit abgelöst und ist im Museo Cristiano bzw. im Museo archeologico zu sehen):Fresken aus der Zeit des XI.-XIV. Jahrhunderts etwa.Das Gebäude besteht aus einem zentralen Raum (von außen quadratischer Grundriss, kreuzförmig im Innern) und dem in drei Apsiden, die zentrale etwas ausladender, gegliederten Presbyterium.Die Decke in der Aula hat die Form eines Kreuzgratgewölbes und in den Apsiden die Form eines Tonnengewölbes.Monolithische Säulenbalken aus römischer Zeit, die von Doppel-Säulen (Spolien) mit korinthischen Kapitellen getragen werden, unterteilen die Seitenschiffe, während eine Ikonostase mit glatten Chorschranken den Bereich der Aula vom Prebyterium trennt. Am Eingang kann man an der Wand (an der westlichen) zumindest teilweise noch die originale Dekoration des Tempietto bewundern:so sind die herausragenden, berühmten Stuckdekorationen und einige Freskenmalereien, die leider abgekratzt wurden und somit schlecht erkennbar sind (sie können allerdings noch zur Genüge einer Bewertung unterzogen werden), noch in gutem Erhaltungszustand. Die Stuckdekoration (bestehend aus Gips, Kalk und Marmorpulver) zieht sich über zwei Abschnitte:Im oberen begrenzen zwei horizontale Streifen mit stilisierten, tief ausgearbeiteten Rosetten, die in der Mitte ausgehöhlt sind und einst mit Glaspaste aufgefüllt waren (in einigen noch sichtbar) einen Wandstreifen, an dem sechs in Hochrelief gearbeitete weibliche Heilige aufgereiht stehen. Zwischen den beiden Dreiergruppen befindet sich ein blindes, einbogiges Fenster. Es ist eingerahmt von einem mit (feinen Spitzenmotiven gleichenden) Verzierungen versehenen Stuck-Architrav, getragen von zwei Säulen mit korinthischen Kapitellen.Im unteren Abschnitt umschließt ein wundervoller durchbrochen gearbeiteter, dekorativer Bogen ein Lünettenfeld mit einer Freskenmalerei (Christus Logos).Hauptsächliches Element der Verzierung ist ein schöner spiralförmiger Rebling mit Trauben und Weinblättern, in einem doppelten Rahmen und einer äußeren Einfassung mit kleinen, grünen Glaskugeln in der Mitte ( die heute zum Großteil allerdings nicht mehr existieren).Bei den letzten Restaurierungsarbeiten wurden weitere Stuck-Fragmente entdeckt. Das hat zur Untermauerung der schon seit langem geäußerten These beigetragen, dass sich eine Dekoration, die der an der Eingangswand ähnlich ist, auch über die Nord- und die Südwand gezogen haben muss. Bei den sechs weiblichen Figuren handelt es sich wohl um Heilige; vier von ihnen hat man gar einen Namen zuordnen können: es soll sich um die Märtyrerinnen Chiona, Irene, Agape und Sofia handeln.Ihre Identifikation ist allerdings alles andere als sicher.

Die eleganten, stark verlängerten Figuren tragen Gewänder, die mit unterschiedlichen, dekorativen Motiven verziert sind. Sie strahlen eine feierliche Würde aus, und lassen vom gesamten Eindruck her byzantinische Mosaikdarstellungen in den Sinn kommen; von diesen unterscheiden sie sich allerdings durch den Ansatz eines sichtbaren Realismus in der ansonsten stilisierten Formung und durch die neuartige Charakterisierung der Gesichter. Was die Datierung betrifft, so kann es keinen Zweifel geben, dass die gesamte Stuckdekoration aus der gleichen Zeit stammt wie der Tempietto selbst, vom Anfang der 2. Hälfte des VIII. Jahrhunderts. Von den originalen, zirka aus dem Jahr 760 stammenden Fresken sind nur einige wenige Motive erhalten geblieben:der Christus-Logos zwischen den Erzengeln Michael und Gabriel und einigen Märtyrern (Reste einer Arbeit, die sich zumindest über drei Wände erstreckte) auf der Eingangswand und ein Sant'Adriano auf der Nordwand:gemeinsame eigentümliche Elemente sind bei allen die starre Stellung, die expressionistischen Gesichtszüge und der Gebrauch von grünem Boden zur Kontrastschaffung.

ÖFFNUNGSZEITEN UND INFO:
MONASTERO DI SANTA MARIA IN VALLE e TEMPIETTO LONGOBARDO Via Monastero Maggiore, 34 – 33043 Cividale del Friuli ( UD) tel. biglietteria +39 (0)432 700867 tel. prenotazioni +39 (0)432 710460
www.tempiettolongobardo.it
www.monasterodisantamariainvalle.it


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